Pubertät Hund - Pubertät ist doch keine Entschuldigung
- Die Menschen-Trainerin für Hunde

- 3. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Pubertät beim Hund: Warum „Das ist halt Pubertät“ keine Entschuldigung ist – und klare Führung dem Hund hilft

Pubertät beim Hund ist eines der meistdiskutierten Themen im Hundetraining
Wenn Sie hoffen, die Pubertät Ihres Hundes einfach „auszusitzen“, habe ich eine klare Botschaft: Das wird nicht funktionieren. Pubertät ist keine Phase, die von allein vorbeigeht, während man Regeln lockert, Verhalten entschuldigt oder Führung vertagt. Was in dieser Zeit nicht geklärt wird, kommt später mit größerer Wucht zurück – emotional, verhaltensbiologisch und oft mit deutlich höherem Leidensdruck für Mensch und Hund. – und zugleich meist missverstandenen – Themen im Zusammenleben von Mensch und Hund. Viele Menschen erleben diese Phase als anstrengend, chaotisch oder frustrierend.
Häufig hört man Sätze wie: „Er kann gerade nicht anders, er ist ja in der Pubertät"
Dieser Satz klingt verständnisvoll – ist aber aus Sicht des Hundes hochproblematisch. Doch genau diese Haltung ist es, die langfristig Probleme nicht löst, sondern verschärft. Pubertät erklärt Verhalten – sie entschuldigt es nicht.
Aus Sicht sozialer Caniden – also von Wölfen und Hunden in stabilen Rudelstrukturen – ist die Pubertät keine Schonzeit, sondern eine entscheidende Phase der sozialen Orientierung.
Dieser Artikel beleuchtet die Pubertät beim Hund aus rudelbiologischer Perspektive – und aus der Sicht einer Menschen‑Trainerin für Hunde. Denn hier geht es nicht darum, Hunde zu trainieren, sondern Menschen dabei zu begleiten, tragfähige Führung zu entwickeln und die Welt aus der Sicht des Hundes zu verstehen.
Gerade in der Pubertät wird deutlich, warum klare, ruhige und verlässliche menschliche Führung dem Hund zuliebe notwendig ist.
Was bedeutet Pubertät beim Hund wirklich?
Aus meiner Arbeit als Menschen‑Trainerin für Hunde weiß ich: Probleme in der Pubertät entstehen selten, weil der Hund „schwierig“ ist – sondern weil Menschen in dieser Phase oft ihre eigene Rolle verlieren.
Genau hier setze ich an: nicht am Hund, sondern am Menschen.
Die Pubertät ist keine Phase des Ungehorsams, sondern eine Zeit tiefgreifender Umbauprozesse:
hormonelle Veränderungen
neurologische Reifung (v. a. Impulskontrolle und Frustrationstoleranz)
emotionale Instabilität
zunehmende Eigenständigkeit
Der junge Hund beginnt, sich selbst und seine Umwelt neu einzuordnen. Dabei stellt er weniger Regeln infrage, sondern vielmehr die Tragfähigkeit seiner sozialen Führung.
Die zentrale Frage des Hundes lautet:
„Kann ich mich auf dich verlassen – auch dann, wenn ich Druck mache?“
Pubertät im Wolfs- und Hunderudel
In einem intakten Rudel gelten klare soziale Regeln:
Sie sind konstant
Sie sind vorhersehbar
Sie werden ruhig und eindeutig durchgesetzt
Ein pubertierender Wolf oder Hund darf ausprobieren, scheitern und lernen – aber nicht dauerhaft Grenzen verschieben.
Die erwachsenen Tiere reagieren:
frühzeitig
emotionsarm
körperlich präsent
ohne Diskussion oder Verhandlung
Im Rudel gibt es kein „Er ist halt gerade in der Pubertät“. Wer so denkt, gefährdet das gesamte soziale Gefüge.
Unsicherheit würde das gesamte soziale Gefüge destabilisieren – und damit das Überleben gefährden.
Warum Hunde in der Pubertät alles infrage stellen
Typische Verhaltensweisen pubertierender Hunde sind:
selektives Hören
verzögertes Befolgen von Signalen
Provokationen
Grenzüberschreitungen
emotionale Überreaktionen
Das ist kein Trotz und kein Machtkampf, sondern ein evolutionär sinnvoller Test:
„Wer übernimmt Verantwortung, wenn es schwierig wird?“
Ein Hund, der keine klare Führung erlebt, lernt:
Regeln sind verhandelbar
Druck lohnt sich
ich muss selbst entscheiden
Für einen hochsozialen Beutegreifer ist das extrem stressbelastend.
Warum das Entschuldigen der Pubertät dem Hund schadet
Pubertät ist keine Ausrede. Sie ist ein Stresstest für Führung.
Wenn Menschen pubertäres Verhalten entschuldigen statt begleiten:
verliert der Hund Orientierung
werden Regeln inkonsistent
entsteht emotionale Unsicherheit
Langfristige Folgen sind keine Seltenheit, sondern häufig die logische Konsequenz:
steigende Reaktivität
Frustverhalten
Kontrollverhalten
aggressive Strategien
Dabei handelt es sich nicht um Dominanzprobleme, sondern um Führungsunsicherheit – ein vom Menschen erzeugtes Problem.
Was Hunde in der Pubertät wirklich brauchen – und was Menschen lernen dürfen
1. Präsenz statt Erklärungen
Menschen‑Training bedeutet hier: sich selbst regulieren, statt den Hund regulieren zu wollen. Hunde folgen Körpersprache, Klarheit und Timing – nicht Worten.
2. Früh gesetzte Grenzen
Je früher eine Grenze kommt, desto ruhiger kann sie gesetzt werden.
3. Gleichbleibende Regeln
Emotionen dürfen schwanken – Regeln nicht.
4. Verlässlichkeit statt Nettigkeit
Ein berechenbarer Mensch gibt Sicherheit.
5. Durchsetzen
Das ist keine Trainingsmethode, sondern eine Haltung, die Menschen lernen dürfen.
Durchsetzen heißt:
ruhig bleiben
konsequent handeln
Verantwortung übernehmen
Führung aus Sicht des Hundes
Führung bedeutet nicht Dominanz, Härte oder Kontrolle. Aus Hundesicht heißt Führung:
„Du hältst das aus, was ich gerade nicht halten kann.“
Das ist emotionale Stabilität. Und genau sie ist in der Pubertät entscheidend.
Hundetraining oder Menschen-Training?
Klassisches Hundetraining | Menschen-Training für Hunde |
Fokus auf Verhalten des Hundes | Fokus auf Haltung und Führung des Menschen |
Übungen, Signale, Korrekturen | Selbstregulation, Klarheit, Präsenz |
„Wie bringe ich dem Hund etwas bei?“ | „Wie werde ich für meinen Hund verlässlich?“ |
Pubertät als Problemphase | Pubertät als Entwicklungs- und Prüfungsphase |
Symptombearbeitung | Ursachenarbeit |
Diese Gegenüberstellung macht deutlich:
Ich trainiere keine Hunde. Ich begleite Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – gerade dann, wenn es unbequem wird.
Fazit: Pubertät ist eine Prüfung – keine Ausrede
Als Menschen‑Trainerin für Hunde sehe ich die Pubertät nicht als Problemphase des Hundes, sondern als Entwicklungsphase des Menschen.
Die Pubertät ist nicht die Phase, in der man weniger führen sollte.
Sie ist die Phase, in der Führung kompromisslos überprüft wird.
Wer sich in dieser Zeit nicht klar positioniert, überlässt dem Hund Verantwortung, die er nicht tragen sollte – und auch nicht tragen will.
Klare, ruhige Führung ist kein Machtinstrument. Sie ist auch kein Nettigkeitsprojekt.
Sie ist ein Akt der Fürsorge – und manchmal unbequem, genau deshalb aber notwendig.
Wer in der Pubertät seines Hundes Führung relativiert, entschuldigt oder auf später verschiebt, entscheidet sich nicht für Verständnis – sondern gegen Orientierung. Und Orientierung ist das, was Hunde mehr brauchen als jede Trainingsmethode oder Leckerlis im Übermass.




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