Viele Menschen glauben, ein Welpe sei ein unbeschriebenes Blatt – formbar, lenkbar, „machbar“.
- Die Menschen-Trainerin für Hunde

- vor 3 Tagen
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Meine Erfahrung zeigt etwas anderes.
Dieser Artikel ist kein klassischer Trainingstext, sondern ein ehrlicher Einblick in fünf Jahre mit einem Hund, dessen Nervensystem von Anfang an aus dem Gleichgewicht war – und der mich an meine persönlichen und fachlichen Grenzen gebracht hat.
Wenn du das Gefühl kennst, dass dein Hund dich überfordert, obwohl du „alles richtig machst“, dann wirst du dich hier wiederfinden.

Wenn ein Hund dich an deine Grenzen bringt – und nichts mehr so ist, wie du es kennst
Ich dachte, ich weiss, was ich tue.
Ich arbeite mit Hunden.
Ich sehe schnell, was los ist.
Ich habe ein gutes Gefühl für Verhalten, für Energie, für Führung.
Und dann kam dieser Hund.
Schon sehr früh war klar: Hier stimmt etwas nicht.
Nicht im Sinne von „schwierig“ oder „anspruchsvoll“.
Sondern viel tiefer, das Verhalten dieses 12 Wochen alten Welpen war einfach nicht "normal", völlig überdreht und in Haus und Garten war er kaum ansprechbar.
Dieser Hund war von Anfang an überreizt.
Schnell im Stress.
Schnell in der Kontrolle.
Schnell im Überschuss.
Ich habe ihn mit 12 Wochen von einem "seriösen" Züchter übernommen –
und hatte das Gefühl, ich arbeite nicht mit einem unbeschriebenen Blatt.
Heute weiss ich:
Ein Welpe ist kein leeres Blatt.
Dieses Nervensystem war bereits geprägt.
Und zwar nicht in eine Richtung, die stabil war.
Ich habe Dinge gesehen, die ich nicht einordnen konnte.
Aber ich habe gespürt: Das ist nicht „normal“.
Und genau das hat mich von Anfang an angetrieben.
Ich wollte verstehen.
Ich wollte helfen.
Ich wollte es besser machen.
Ich habe mich reingehängt.
Strukturiert.
Beobachtet.
Geführt.
Und ja – ich habe unglaublich viel erreicht.
Dieser Hund ist heute händelbar.
Er ist ansprechbar.
Er kann sich orientieren.
Er ist draussen perfekt erzogen. Nur zu Hause und bei hohen Reizen bleibt etwas zurück.
Aber der Weg dorthin war alles andere als leicht.
Es gab Momente, da war ich komplett überfordert.
Momente, in denen ich dachte:
„Das schaffe ich nicht.“
„Das ist zu viel.“
Und ja – ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, ihn zurückzugeben.
Nicht, weil ich ihn nicht wollte.
Sondern weil ich nicht mehr konnte.
Diese Überforderung ging so weit,
dass sie mich körperlich eingeholt hat.
Ich wurde krank, Mitten in der Pubertät dieses Hundes.
Und trotzdem lief da immer dieser Gedanke:
„Ich muss das doch hinbekommen.“
Ich habe gegen Verhaltensweisen gearbeitet, die ich so noch nie erlebt hatte.
Ein Welpe, der nicht runterkommt.
Ein Hund, der auf kleinste Reize massiv reagiert.
Mit Schreien, auch mit Aggression.
Ein Nervensystem, das sich selbst immer wieder hochzieht.
Und ich stand mittendrin.
Mit meinem Wissen.
Mit meinem Anspruch.
Mit meinem Wunsch, zu helfen.
Und mit einer Realität, die sich nicht einfach „wegtrainieren“ liess.
Ich habe geführt.
Ich habe begrenzt.
Ich habe strukturiert.
Und trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl:
Ich arbeite gegen etwas, das tiefer sitzt.
Etwas, das nicht bei mir hat entstanden sein können. Er war in diesem Zustand von der ersten Minute an, seit er mein Haus betrat.
Und genau das war wahrscheinlich das Schwierigste:
Zu sehen, dass ich nicht am Anfang dieser Geschichte stehe.
Sondern mittendrin.
Ich habe sehr früh erkannt, wer dieser Hund ist.
Und gleichzeitig hat mich genau das überfordert.
Weil ich gespürt habe:
Das wird kein „normaler Weg“
Und trotzdem habe ich alles gegeben.
Vielleicht zu viel.
Ich habe mich an diesem Hund aufgerieben.
Ich bin an meine Grenzen gegangen.
Und manchmal auch darüber hinaus.
Und lange dachte ich, genau das wäre der Weg.
Bis ich irgendwann verstanden habe:
Dass es nicht nur darum geht, wie viel ich gebe.
Sondern auch darum, wo ich mich selbst verliere.
Und genau dort begann der eigentliche Prozess.
Im nächsten Artikel nehme ich dich mit an den Punkt,
an dem sich alles verändert hat.
Nicht durch mehr Training.
Nicht durch mehr Wissen.
Sondern durch etwas, das mir am schwersten gefallen ist:
LOSLASSEN




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