

FREMDHUNDEKONTAKTE
nicht jeder Hund muss "Hallo sagen"
Warum ich Fremdhundekontakte vermeide
Zwangsbeglückung auf vier Pfoten
Warum nicht jeder Hund „Hallo sagen“ muss
Es gibt diese Szene. Fast täglich.
Ein Hund läuft angeleint.
Er bleibt auf Distanz.
Sein Mensch weicht aus, geht ins Gebüsch, macht Platz, signalisiert: Wir möchten keinen Kontakt.
Und von vorne kommt er.
Der soziale Botschafter auf vier Beinen.
Ungebremst.
„Der tut nix!“ ruft es hinterher.
Oder noch besser:
„Die regeln das unter sich.“
Nein.
Tun sie nicht.
Und sie müssen es auch nicht.
Zumindest meiner muss das nicht.
Die große Illusion vom Sozialkontakt
Irgendwann hat sich die Idee eingeschlichen, dass Hunde wie Kinder auf einem Pausenhof funktionieren.
Sie müssen spielen.
Sie müssen sich austauschen.
Sie müssen Kontakte pflegen.
Sie „brauchen das“.
Wirklich?
Freilebende Hunde vermeiden direkte Konfrontationen mit Fremden.
Sie laufen Bögen.
Sie vergrößern Distanz.
Sie ignorieren sich.
Warum?
Weil unnötige Interaktion Energie kostet.
Und Risiko bedeutet.
Ein fremder Hund ist nicht automatisch ein potenzieller Sozialpartner.
Er ist erstmal: unbekannt.
Und dann kommt die Leine ins Spiel
Leine bedeutet:
keine freie Distanzwahl
kein natürlicher Bogen
keine echte Ausweichmöglichkeit
oft Spannung am Hals
Das Nervensystem registriert:
Einschränkung + Annäherung + Kontrollverlust.
Das ist kein „Lernmoment“.
Das ist eine Stresslage.
Wenn wir Hunde in dieser Situation frontal aufeinandertreffen lassen,
produzieren wir keine Sozialkompetenz.
Wir trainieren Hochregulation.
Rangordnung? Mit wem genau?
Zwei Hunde, die sich nie wieder sehen werden,
haben keinen evolutiven Grund, eine Hierarchie auszuhandeln.
Rangordnungen entstehen in stabilen sozialen Gruppen.
Nicht auf Spazierwegen zwischen zwei parkenden Autos.
Diese „Die klären das“-Romantik ist menschliche Projektion.
Keine Ethologie.
Was Zwangskontakte wirklich sind
Wenn ein Halter sichtbar ausweicht
und ein anderer Hund trotzdem aufdringlich Kontakt sucht –
ist das kein Missverständnis.
Das ist Ignoranz.
Es ist die Entscheidung:
„Mein Bedürfnis nach Begegnung ist wichtiger als dein Bedürfnis nach Ruhe.“
Und ja – das betrifft nicht nur den Hund.
Es betrifft auch den Menschen am anderen Ende der Leine.
Was es mit verantwortungsvollen Haltern macht
Vielleicht sehen Sie uns nicht.
Wir, die ins Gebüsch springen.
Die Wege wechseln.
Die Distanz schaffen.
Die den eigenen Hund schützen wollen.
Vielleicht denken Sie:
„Die übertreiben.“
Vielleicht denken Sie:
„Der muss das lernen.“
Vielleicht denken Sie gar nichts.
Aber während Sie „Hallo sagen“ spielen,
steht auf unserer Seite ein Nervensystem unter Druck.
Nicht, weil der Hund aggressiv ist.
Sondern weil er keine Lust auf Fremdverhandlungen hat.
Und ehrlich gesagt:
Ich auch nicht.
Sozial ist nicht gleich verfügbar
Ein Hund, der nicht jeden Fremdhund treffen möchte,
ist nicht asozial.
Ein Hund, der Distanz wählt,
ist nicht problematisch.
Ein Mensch, der Kontakte reguliert,
ist nicht übertrieben.
Er ist verantwortlich.
Die unbequeme Wahrheit
Viele sogenannte „Sozialkontakte“ sind:
unkontrolliert
unnötig
einseitig gewollt
schlecht gelesen
schlecht moderiert
Und wenn es knallt, heißt es:
„Der war aber komisch.“
Nein.
Vielleicht war er nur lange zu höflich.
Eine Frage zum Mitnehmen
Warum fällt es manchen Menschen so schwer,
ein schlichtes „Nein, danke“ zu respektieren?
Wenn wir bei Menschen Distanz wahren,
nennt man das Anstand.
Bei Hunden nennt man es plötzlich „Problem“.
Vielleicht sollten wir nicht unsere Hunde sozialisieren.
Sondern unsere Erwartungen.
Und ja, das ist meine klare Haltung
Mein Hund muss keine Rangordnungsdiskussionen mit Fremden führen.
Er muss sich nicht jedem annähern.
Er muss nicht „funktionieren“, nur weil es gesellschaftlich nett wirkt.
Manchmal ist Abstand kein Defizit.
Sondern Reife.