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BEHAVIORISMUS IM HUNDETRAINING

WIE WIR HUNDE ÜBERREIZEN
UND BEZIEHUNG VERLIEREN

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Dieser Satz steht in meiner Fußzeile. Er ist keine Provokation.

Er ist eine Beobachtung. Noch nie wurde so viel trainiert.

Noch nie wurde so viel belohnt, markiert, verstärkt, optimiert.

 

Noch nie war Hundetraining so „wissenschaftlich“ und oft ohne Gefühl.

 

Und dennoch sehe ich immer mehr Hunde, die innerlich nicht stabil sind.

 

Hunde, die reagieren – aber nicht in Beziehung sind.

Hunde, die funktionieren –  aber nicht reguliert sind.

Behaviorismus und Dopamin

wenn Erwartung das Nervensystem steuert

 

Der behavioristische Ansatz – geprägt durch B. F. Skinner – reduziert Verhalten auf Verstärkung: Erwünschtes Verhalten wird belohnt, unerwünschtes Verhalten ignoriert oder umgelenkt.

 

Was selten thematisiert wird:

Belohnung aktiviert das dopaminerge System.
Dopamin ist kein Glückshormon. Es ist das Hormon der Erwartung.

Nicht das Bekommen macht abhängig.
Das In-Aussicht-Stellen tut es.

Wenn ein junger Hund permanent über Markerwörter, Futter, Spielzeuge und Reize aktiviert wird, lernt er nicht nur Verhalten.

Er lernt Erwartung.
Er lernt Suchspannung.
Er lernt Hochfahren.

Mensch = Reiz.
Mensch = Ankündigung.
Mensch = Aktivierung.

Das hat mit Beziehung wenig zu tun.

Der Hund, der mich nicht lesen konnte

Mit 12 Wochen zog ein Welpe bei mir ein.

Ich arbeite über Körpersprache, Präsenz, Klarheit.

Jeder Hund in meinem Training reagiert darauf.

Dieser nicht.

Er sah mich – aber er nahm mich nicht wahr.
Er hörte mich – aber ich erreichte ihn nicht.
Meine Körpersprache bedeutete ihm nichts.

Sobald Interaktion entstand, ging er in einen Tunnel der Übererregung.

 

Kein Mitdenken.
Kein soziales Antworten.
Kein Einordnen.

Ein junges Lebewesen, das nicht fähig war, natürliche Kommunikation zu lesen.

Und nein – das lag nicht an meiner Körpersprache.

Fehlende Frustrationstoleranz und Selbstregulation

 

Mit vier Monaten biss mich dieser Hund in den Oberschenkel,

weil er nicht bekam, was er wollte.

Nicht aus Angst.
Nicht aus Unsicherheit.

Aus Frustration.

Ich begann, ihm kleine Aufgaben zu geben, um Selbstwirksamkeit zu fördern.
Sobald meine Hilfe ausblieb, begann er zu schreien.

Nicht winseln.
Schreien.

Er schaute mich an und bettelte – nicht nach Nähe, sondern nach Aktivierung.

Ein junges Wesen, das Spannung nicht aushalten konnte.
Das ohne sofortigen Reiz innerlich kollabierte.

Das ist tragisch.

Fünf Jahre arbeite ich nun mit diesem Hund – ohne klassisches Belohnungssystem.

Und noch heute reicht manchmal eine minimale Initiative von mir, um alte Muster in diesem Hund wieder zu aktivieren.

Das ist kein „schwieriger Charakter“.
Das ist früh geprägte Überkonditionierung.

Was in der Zucht nicht gelernt wurde

Viele Probleme beginnen nicht erst im Training.
Sie beginnen in der Aufzucht.

Wenn Mutterhündinnen in ihrer natürlichen Regulation unterbrochen werden,
wenn Geschwisterinteraktionen ständig kontrolliert oder verhindert werden,
wenn früh menschliche Reizsteuerung natürliche Sozialprozesse ersetzt –

dann fehlt etwas Entscheidendes:

Frustrationstoleranz

Impulskontrolle

Selbstregulation

innerartliche Kommunikationskompetenz

Ein Welpe lernt Sozialverhalten nicht durch Daueranimation.
Er lernt es durch gesunde Vorbilder, Grenzen, Korrekturen, Aushalten, Einordnen.

Die Illusion der Sozialisierungsphase

Die sogenannte „Sozialisierungsphase“ wird heute nahezu religiös überhöht.

Welpen müssen alles kennenlernen.
Möglichst früh.
Möglichst intensiv.

Doch was genau lernen sie?

Wenn ein Welpe bereits in der Zucht kaum natürliche, erwachsene Regulation erfahren hat – was soll er dann in einer Gruppe mit ausschließlich anderen unreifen Welpen lernen?

Welpe trifft Welpe ist doch keine Garantie für Sozialkompetenz.

In vielen typischen Welpenspielgruppen entsteht Folgendes:

Einer lernt, auf den Kopf zu bekommen.

Einer lernt, andere zu mobben.

Viele lernen Übererregung.

Mein Mensch spielt keine Rolle.

Was sie kaum lernen:

Konfliktlösung unter souveräner Führung

Frustration aushalten

feine Körpersprache lesen

soziale Selbstkontrolle
Mein Mensch vermittelt Sicherheit

Die Sozialisierungsphase wird überschätzt, wenn Qualität fehlt.

Hunde brauchen Hundekontakte.
Aber nicht irgendeine Gruppe.

Ein Welpe profitiert von ausgewählten, souveränen, erwachsenen Hunden.
Von Hunden, die Ruhe ausstrahlen.
Die regulieren.
Die nicht spielen, um zu eskalieren, sondern um zu führen.

Dort entsteht echte Sozialkompetenz.

Nicht in einer unkontrollierten Schlägelgruppe.

Beziehung statt Dauerreiz

Wir wollen unseren Hunden näher sein.
Wir trainieren mehr.
Wir analysieren mehr.
Wir belohnen mehr.

Und entfernen uns dabei oft von dem, was Hunde wirklich brauchen:

ruhige Präsenz

klare Grenzen

natürliche Konsequenz

echte soziale Interaktion

Ein Hund, der nur in Erwartung lebt, ist nicht verbunden.
Er ist abhängig.

Ein Hund, der Spannung aushalten kann, ist frei.

Meine Haltung

Ich diskutiere nicht über Methoden.
Ich arbeite.

Ich begleite Hunde zurück in:

Selbstregulation

Frustrationstoleranz

natürliche Kommunikation

innere Stabilität

DAS BEDEUTET FÜR MICH WAHRHAFTIG HUND-SEIN DÜRFEN

 

Das dauert.
Das braucht Geduld.
Das ist kein schneller Trainingsplan.

Aber es ist Beziehung.

 

Und vielleicht ist genau das der Punkt:

 

Wir wollen unseren Hunden immer näher sein –
doch Nähe entsteht nicht durch Dauerreiz.

Sondern durch Sicherheit.

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