Hund Cortisol - Vier Tage im Alarmzustand
- Die Menschen-Trainerin für Hunde

- vor 7 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Ein Erfahrungsbericht darüber, was nach dem Kontakt mit einer läufigen Hündin im Hundekörper passiert, wie Cortisol tagelang braucht um wieder abgebaut zu werden und wie ich meinen Hund mit CBD unterstützt habe

Warum ich diesen Text schreibe
Ich schreibe am liebsten aus eigener Erfahrung. Nicht, weil sie allgemeingültig wäre, sondern weil sie Prozesse sichtbar macht, die theoretisch oft bekannt sind – praktisch aber völlig unterschätzt werden.
Was ich in den letzten Tagen mit meinem eigenen, intakten Rüden erlebt habe, war kein Ausnahmezustand im Sinne von „schlechter Tag“, sondern ein mehrtägiger neurobiologischer Stressprozess, ausgelöst durch einen kurzen Kontakt mit einer läufigen Hündin.
Auch für mich waren diese Tage eine extreme erneute Belastungsprobe, ich lebe mit diesem Hund seit 5 Jahren zusammen und er stellt für mich durch seine Hypervigilanz eine echte Herausforderung dar, gerade in solchen Situationen wird hier auch mein Nervenkostüm extremst auf die Probe gestellt, gar nicht einfach. Schwierig ist für mich vorwiegend, dass diesem Hund nicht durch Training sondern nur durch Co-Regulation geholfen werden kann. Ich bin also quasi stets gefordert zu regulieren, auch wenn ich vielleicht gerade selbst keine Kraft mehr habe. Wenn ich an gewissen Tagen selbst nicht stabil bin, geht es meinem Hund noch schlechter sozusagen, und das ist ein Kraftakt, den ich nach Jahren an gewissen Tagen kaum mehr leisten kann.
Dieser Artikel beschreibt:
was dabei im Körper meines Hundes passiert ist
warum er nicht einfach wieder runterfahren konnte
und was ihm letztlich geholfen hat, aus diesem Zustand herauszukommen
Die Situation: Ein kurzer Reiz – massive Nachwirkungen
Der Kontakt mit der läufigen Hündin war zeitlich begrenzt.
Der Effekt jedoch nicht.
Unmittelbar danach war mein Hund:
hochgradig übererregt
kaum ansprechbar
innerlich rastlos
nicht mehr schlaffähig
Und das Entscheidende:
Dieser Zustand hielt vier Tage an, obwohl ich ihn konsequent aus allen weiteren Reizen herausgenommen habe.
Stress ist kein Moment – Stress ist ein Prozess
Biologisch betrachtet wurde bei diesem Ereignis nicht einfach „Aufregung“ ausgelöst, sondern ein vollständiger Stressreaktionszyklus.
Aktiviert wurden:
das sympathische Nervensystem (Kampf/Flucht)
die sogenannte HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Nebennierenrinde)
Dabei werden Stresshormone ausgeschüttet:
Adrenalin / Noradrenalin (schnell, kurz wirksam)
Cortisol (verzögert, aber langanhaltend)
Während Adrenalin relativ rasch abgebaut wird, kann Cortisol – besonders bei sensiblen, hypervigilanten Hunden – mehrere Tage im Körper verbleiben.
Der Reiz war vorbei. Der Körper meines Hundes war es nicht.
Was ein Cortisolüberschuss beim Hund auslöst
Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel führt unter anderem zu:
extrem gesenkter Reizschwelle
permanenter innerer Wachsamkeit
hoher Muskelspannung
gestörtem Schlaf
fehlender Impulskontrolle
Nach außen zeigt sich das als:
Jaulen, Fiepen, Unruhe
scheinbar grundlose Überdrehtheit
Kontrollverhalten
fehlende Kooperationsfähigkeit
Das ist kein Trainingsproblem. Das ist Biochemie.
Warum selbst Reizentzug nicht sofort hilft
Ich habe meinen Hund in dieser Phase konsequent:
aus Umweltreizen herausgenommen
nicht spazieren geführt
nicht beschäftigt
nicht konfrontiert
Und trotzdem blieb er über Tage hochgefahren.
Der Grund:
Reizarmut verhindert neuen Stress, baut aber Cortisol nicht aktiv ab.
Cortisolabbau braucht:
Zeit
Sicherheit
Vorhersagbarkeit
minimale Entscheidungsanforderungen
Hypervigilante Hunde können diesen Zustand oft nicht selbst herstellen.
Management, das wirklich geholfen hat
1. Die Ruhebox
Ich habe meinen Hund stundenweise in eine Ruhebox gegeben – nicht als Maßnahme gegen sein Verhalten, sondern als Schutz vor weiterer Überforderung.
Die Box:
reduzierte Reize radikal
nahm Verantwortung ab
begrenzte Bewegung und Wahlmöglichkeiten
ermöglichte dem Nervensystem, langsam herunterzufahren
Erst nach mehreren Tagen zeigte sich wieder tiefer, ruhiger Schlaf – für mich der wichtigste Marker, dass der Cortisolspiegel zu sinken begann.
2. Reizentzug und Kauen
Außerhalb der Box gab es:
keinen Input
keine Aufgaben
keine Erwartungen
Stattdessen:
viel Kauen (als selbstregulierende, parasympathische Aktivität)
ruhige Präsenz
klare, gleichförmige Abläufe
Kauen wirkte sichtbar spannungssenkend, ohne zusätzliche Erregung zu erzeugen.
3. Pflanzliche Unterstützung (begleitend)
Zusätzlich habe ich meinen Hund unterstützend begleitet mit:
einem hochwertigen, wasserbasierten CBD-Produkt und includiertem pflanzlichen Beruhigungskomplex
Die enthaltenen Pflanzenstoffe waren u.a.:
CBD
Ashwagandha
Passionsblume (Passionflower)
Holy Basil (Tulsi)
Diese Stoffe werden traditionell im Zusammenhang mit Stressregulation, Anpassungsfähigkeit und hormoneller Balance eingesetzt.
In dieser akuten Phase habe ich bewusst höher dosiert, nicht als Therapie, sondern als Unterstützung des ohnehin laufenden Cortisolabbaus.
Subjektiv hatte ich den klaren Eindruck, dass mein Hund dadurch:
schneller in Ruhephasen fand
weniger innerlich getrieben wirkte
besser schlafen konnte
Ein Wort zur Kastrationsfrage
Nach fachlicher Beratung und Weiterbildung habe ich mich gegen eine (chemische) Kastration entschieden.
Gerade bei hypervigilanten, unsicheren Hunden kann eine hormonelle Intervention:
entlastend wirken – oder
die innere Unsicherheit weiter verstärken
In meinem Fall habe ich mich klar für:
konsequentes Management
Vermeidung hochproblematischer Situationen (z. B. Kontakt zu läufigen Hündinnen)
Regulation statt Konfrontation
entschieden.
Das ist kein allgemeingültiger Weg – sondern eine individuelle Entscheidung für diesen Hund.
Fazit
Was diese Tage mir wieder sehr deutlich gezeigt haben:
Stress endet nicht mit dem Reiz
Cortisolabbau braucht Schutz, Zeit und Stabilität
Hypervigilante Hunde brauchen oft aktive Entlastung, nicht mehr Training
Ruhe ist kein Verhalten – Ruhe ist ein hormoneller Zustand
Oder anders gesagt:
Ein Hund, der Tage braucht, um nach Stress wieder zur Ruhe zu kommen, ist nicht schwierig – sondern neurobiologisch überlastet.
Hinweis: Dieser Erfahrungsbericht ersetzt keine tierärztliche oder therapeutische Beratung. Er beschreibt persönliche Beobachtungen und individuelle Entscheidungen.
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